Psychotherapeutisches Vorgehen

Am Anfang jeder psychotherapeutischen Zusammenarbeit steht die Klärung, ob das, was Sie belastet, ein psychologisches Problem ist und ob Sie darauf einen Einfluss haben bzw. gewinnen können.

Wenn sich beide Fragen bejahen lassen, ist der nächste Schritt, das Problem möglichst gut zu verstehen: und zwar nicht nur rational, sondern auch emotional. Auf diesem Verstehen aufbauend entwickeln wir gemeinsam „ein Modell“ Ihres Problems: das ist Psychotherapeuten-Sprache und meint, dass wir miteinander möglichst genau erarbeiten, wie sich Ihre Belastungen heute darstellen, welchen Verlauf sie genommen haben und welche Ursachen dies hat. Grundlage für das Bilden dieses Modells sind für mich die Vorstellungen der Verhaltenstherapie mit ihrem präzisen Blick auf Verhalten und Gedanken. Erweitert wird dies durch die Perspektive der Schematherapie mit ihrer Konzentration darauf, wie wir uns von Kindheit an entwickelt haben und welche Gefühle uns heute begleiten und auch gefährden können. Eine zweite Erweiterung bildet die systemische Psychotherapie mit ihrer Perspektive darauf, welchen Einfluss Herkunftsfamilie, Partnerschaften, Freundschaften und Arbeitszusammenhänge auf unsere Probleme haben, aber auch welche Stärken und Bewältigungs-Möglichkeiten in ihnen stecken. Wir schauen also nicht nur nach Ihren Problemen, sondern auch nach Ihren Stärken, die Ihnen bei der Bewältigung der heutigen Belastungen helfen können, und danach wie mehr Freude in Ihr Leben kommen könnte.

Auf der Basis dieses stets weiter zu entwickelnden und gegebenenfalls auch zu korrigierenden Modells besprechen wir dann, welcher Umgang in den therapeutischen Sitzungen für Sie hilfreich wäre, und auch welche Schritte in Ihrem Alltags-Leben sinnvoll wären. Die bei diesen Schritten auftretenden Hürden erlauben dann wiederum, noch besser zu verstehen, wie sich Ihre Belastungen erklären lassen, und welche neuen Schritte Ihnen als Nächstes weiterhelfen können.

Ratsuchende haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie lange die Unterstützung dauern soll: Einige wollen eine Sitzung (sogenannte ‚single session therapy‘), Andere einige Sitzungen – ein Format, das unter der Bezeichnung ‚Lösungsorientierte Kurztherapie‘ populär geworden ist. Und wieder Andere wünschen sich eine (Langzeit-)Psychotherapie. Deshalb wird der oben beschriebene Prozess bei dem Einen sehr zügig durchlaufen, bei der Anderen gründlich und vertiefend. Eine Absprache über diese zeitliche Dimension Ihrer Therapie ist auch Teil unserer Verabredung. (Zu den Kosten-Fragen schauen Sie bitte unter den entsprechenden Menüpunkt.)

Immer aber hat die therapeutische Beziehung eine ganz grundlegende Bedeutung für den Erfolg der Therapie. Das heisst nicht nur, dass die „Chemie“ zwischen uns hinreichend stimmen muss, sondern auch, dass das Gefühl entsteht, eine gemeinsame Arbeitsrichtung zu haben, in der Sie sich wohl und akzeptiert fühlen. Und es heisst auch, dass Raum für Zweifel und für das Äußern von skeptischen Gefühlen vorhanden sein muss.

Wenn KlientInnen Zweifel am Fortgang ihrer Psychotherapie haben, äußern sie diese oft gar nicht oder nur versteckt; Psychotherapeuten übersehen deshalb häufig diese Unzufriedenheit und so wird die Möglichkeit zu Korrekturen verpasst. Um ein solches Verfehlen zu verhindern, gebe ich Ihnen am Anfang und Ende jeder Sitzung jeweils einen sehr kurzen Bogen zum Ausfüllen. Ihre Rückmeldung erlaubt mir dann ein Nachfragen und ein gemeinsames Neu-Justieren des therapeutischen Prozesses. Dieses Vorgehen hat sich sowohl in Einzel- wie in Paartherapien als Schlüssel dazu erwiesen, die Wirksamkeit noch einmal deutlich zu steigern. (Diese Rahmung der Sitzung wird mit der Begriff ‚FIT‘ bezeichnet: das ist einerseits eine Abkürzung für ‚Feedback-Informed Treatment‘ und andererseits der Hinweis darauf, dass die Therapie ‚passen‘ (= to fit) soll; die deutsche Bezeichnung ist ‚Feedback-orientierte Psychotherapie‘. (Wenn Sie Näheres dazu interessiert!)

Das Gesagte gilt für Einzel- wie für Paartherapien. Bei Partnerschaftsproblemen kommt allerdings der anfänglichen Abklärung noch eine ganz besondere Bedeutung zu: nach langjährigem Streit können Paare in eine solche Verbitterung hineinkommen, dass eine konstruktive Wende in der Beziehung nicht mehr möglich ist. Dann kann es sinnvoll sein, sorgfältig Verbindendes und Trennendes in der Beziehung abzuwägen und behutsam zu klären, ob die Gemeinsamkeiten noch tragen.

Während wir bei Ängsten, Depressionen und vielen anderen Problemen selbst spüren, was uns belastet, gibt es Konstellationen, in denen Andere uns als problematisch empfinden. Wenn sich diese Rückmeldung häufig wiederholt, bekommen wir den Eindruck, dass wir scheitern, ohne das Problem recht fassen und verorten zu können. Also z.B. wenn sich Partner/Partnerinnen immer wieder von uns trennen, weil wir ‚zu klammerig‘ oder eifersüchtig seien oder weil wir sie mit unserer Wut ‚terrorisieren ‘oder sie ständig ‚von oben herab‘ behandeln würden usw. Uns selbst ist dies Problem gar nicht recht einsehbar, weil wir unser Verhalten als Teil unserer Persönlichkeit und damit als selbstverständlich empfinden (daher werden solche Probleme in der Psycho-Diagnostik ‚Persönlichkeitsstörungen‘ genannt). Wir selbst spüren hingegen unsere Enttäuschung darüber, dass wir in unseren Bedürfnissen immer wieder scheitern und möchten dies in Zukunft verhindern. Dasselbe gilt meist auch, wenn wir als Erwachsene noch nie eine Partnerschaft und/oder sexuelle Beziehung hatten. Die Schematherapie bietet einen sehr hilfreichen und wirksamen Ansatz, das So-Geworden-Sein aus den Bedingungen der eigenen Kindheit und Jugend zu verstehen und Schritt-für-Schritt umzusteuern.

Ein paar grundsätzliche Sätze zur ‚Psychosexualtherapie‘: sexuelles Verlangen, sexuelle Erregung und Orgasmus können nicht „herbeigezwungen“ werden – versucht man/frau dies, so werden sie nur um so unwahrscheinlicher. Erfolgreicher ist es, nach einem Verstehen davon zu suchen, was diesen gewünschten Reaktionen entgegensteht und was verändert werden müsste, um sie zu erlauben. Vor allen Techniken legt Psychosexualtherapie daher Wert auf ein behutsames Vorgehen, eine angemessene Sprache und einen verständnisvollen Umgang in diesem intimen Bereich. Auf diesem Hintergrund können ‚Übungen‘ und ‚Experimente‘ hilfreich sein, den Spielraum (wieder) zu erweitern. – Neben den weit verbreiteten sexuellen Problemen (des Verlangens, der Erregung, des Orgasmus; von Schmerzen beim Verkehr und Vaginismus) nehmen seit einigen Jahren die „neuen“ sexuellen Probleme zu: zu intensives (evtl. auch entgleitendes) Nutzen von Internet-Pornographie, unzureichende Erregung bei partnerschaftlichem Sex wegen Gewöhnens an die maximal gezielten Reize von Pornographie usw. – Daneben gibt es eine Vielzahl von Konstellationen der sexuellen Orientierung und von sexuellen Phantasien, bei denen es hilfreich ist, einen erfahrenen Begleiter beim Finden des eigenen Weges zu haben.

Und abschließend ein Wort zur ‚Psychotherapie mit Älteren‘: noch vor dreißig Jahren wurde es für wenig sinnvoll gehalten, Psychotherapie mit Menschen zu machen, die älter als 60 Jahre waren. Das hat sich als ein reines Vor-Urteil herausgestellt, das v.a. auf der Unsicherheit der Psychotherapeuten-Profession und einem Mangel an Erfahrung beruhte. Unser heutiger Wissenstand ist: Psychotherapie ist in Einzel- und Paartherapie (nicht aber in Gruppentherapie) sogar bei Hochbetagten (90 Jahre) wirksam, wenn sie teilweise modifiziert und an die besonderen Lebensbedingungen der KlientInnen angepasst wird. Noch mehr als bei Jüngeren ist es aber unabdingbar darauf zu achten, dass Psychotherapie eine stärkende Erfahrung wird!

 

Bogen zu Sitzungsbeginn

Bogen am Sitzungsende